FRAUENTAG! > Frieden

Frauen wurde kulturell ein besonderes Naheverhältnis zum Frieden zugewiesen. Dabei spielte die angebliche Lebensbezogenheit von Frauen als Gebärende und Erziehende eine wichtige Rolle. Die friedliebende Frau und Mutter wurde dem kriegerischen Mann gegenüber gestellt. Mit dem besonderen Bezug zum Frieden legitimierten Frauen auch ihr Engagement im männlichen konnotierten Feld des Politischen: Die Einseitigkeit einer männlich geprägten Welt sollte durch weiblichen Kultureinfluss korrigiert werden. Frauen waren in vielen Friedensbewegungen aktiv. Dabei beanspruchten sie, für alle, vor allem für die Kinder, die Jugend, deren Zukunft durch Kriege bedroht sei, zu sprechen. Trotz dieses allgemeinen Anspruchs waren die Rhetoriken von dualistischen Geschlechterbildern durchzogen.

Das Thema Frieden ist im 20. Jahrhundert in unterschiedlichen Phasen des Frauentags präsent. Dabei verschob sich über die Jahrzehnte, wofür die Forderung nach Frieden stand. Vor dem Erfahrungshintergrund zweier Weltkriege bedeutete Friede in erster Linie Ablehnung von Krieg. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs waren die Kriegsfolgen zentrales Thema der Frauentage: Unter Verweis auf die vielen Kriegstoten wurde zum Frieden gemahnt und die Rückkehr der Kriegsgefangenen von den Alliierten gefordert. Mit Beginn des Kalten Kriegs wurde die Forderung nach Frieden häufig mit dem Begriff Freiheit und damit in Österreich mit einer Abgrenzung zum autoritären „Staatssozialismus“ verbunden. Mit der zeitlichen und geographischen Entfernung von Krieg geriet die Anrufung des Friedens zur mitunter sinnentleerten, häufig ritualisiert wiederholten Formel. Unter dem Einfluss der „zweiten“ Frauenbewegung wird ein erweiterter Friedensbegriff sichtbar: Die friedliche Gesellschaft, die nun gefordert wurde, war auch eine ohne strukturelle, partiarchale Gewalt. Frieden bedeutete nun genügend Raum für Menschen, ihr Leben ohne Sanktionierung, Diskriminierung und Einmischung zu leben.

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